Der MBA-Markt in Deutschland
MBA-Programme und Anbieter in Deutschland
Der MBA in Deutschland ist sehr stark regional geprägt. Rund 70 Prozent aller Programme werden in Teilzeit und an Fachhochschulen angeboten, die oft eng mit Unternehmen in der Region verflochten sind. Im internationalen Umfeld der Top Business Schools ist derzeit nur die Universität Mannheim konkurrenzfähig (Ridgers 2010). Weitere Programme an der Uni Frankfurt, der HHL Leipzig, der WHU Vallendar sind aber auf gutem Weg. Eine weitere Besonderheit der deutschen MBA-Programme ist der hohe Anteil an spezialisierten Programmen. Nur rund ein Viertel sind General-Management-Programme, ein im Vergleich zu den USA und Rest-Europa umgekehrtes Verhältnis.
Die Zahl der MBA-Anbieter und -Programme ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen: Gab es 1990 gerade fünf bis zehn MBAs in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sind es inzwischen über 400 Prgramme:

Die Geschichte des MBA in Deutschland reicht 20 Jahre zurück. Mit dem MBA-Programm der GFW/Henley in München entstand 1989/1990 in Deutschland das erste MBA-Angebot, das sich überwiegend an deutsche Studierende wandte.
Das erste rein deutsche MBA-Programm entstand aber 1990 an der Saar. "Ich habe unser Programm vor fast 20 Jahren bewusst als ein europäisches MBA-Programm aufgebaut, welches auf der Spitzenforschung der Universität des Saarlandes basiert", erinnert sich Professor Christian Scholz der Direktor des MBA-Studiengangs am dortigen Europa Institut. „Die Internationalisierung von Märkten und Unternehmensstrukturen erfordert ‚Euromanager’, die sich nicht nur durch Fachkompetenz auszeichnen, sondern die auch durch die Fähigkeit zur vorurteilsfreien Aufnahme von Landes- und Unternehmenskulturen ein Gespür für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Eigenarten der verschiedenen Länder entwickelt haben.“
Seit 18 Jahren bietet auch die Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin als eine der ersten Fachhochschulen in Deutschland MBAs an. Mittlerweile haben über 1.000 Absolventen aus der ganzen Welt ihr MBA-Studium erfolgreich in Berlin abgeschlossen, resümiert Petra Wieczorek, Geschäftsführerin des IMB Institute of Management Berlin der FHW Berlin. Damit zählt die FHW Berlin mittlerweile zu den größten MBA-Schmieden im deutschsprachigen Raum.
Vollzeit-MBA-Programme in Deutschland sind von Deutschen kaum gefragt. Im Ausland liegen sie dagegen mit über 50 Prozent in der Gunst der deutschen Studierenden vorne. Sie sind neben Fernstudium und Executive-MBA die gefragtesten Auslands-Programme. Deutsche MBA-Programme sind anscheinend vor allem für Absolventen von Fachhochschulen attraktiv. So haben zum Beispiel in der Studie der „MBA-Tour“ 51 Prozent der befragten MBA-Interessenten und Studenten ein FH-Diplom. Bei den international orientierten sind es nur halb so viele. Umgekehrt ist es bei Diplom-Absolventen. Stark ist auch der Anteil der Wirtschaftswissenschaftler. Rund 40 Prozent aller Interessenten und Studierende kommen aus wirtschaftswissenschaftlichen Berufen. Weiter setzen vor allem Ingenieure auf ein MBA-Studium in Deutschland. 18 Prozent wollen im Heimatland bleiben, nur sechs Prozent im Ausland studieren. Auch Interessenten aus dem Verkaufsbereich, der Technologieentwicklung, der öffentlichen Verwaltung und dem Personalmanagement bleiben lieber zu Hause.
Dauer, Spezialisierung und Zulassungsvoraussetzungen
Die durchschnittliche Dauer der Programme in Deutschland beträgt ca. 21 Monate. Die Bandbreite liegt bei rund elf Monaten bei Vollzeitprogrammen und bis zu 48 Monaten bei Fernstudienprogrammen. Ähnlich wie im Internationalen Umfeld ist die überwiegende Zahl der MBA-Programme im Teilzeitbereich angesiedelt und konzentriert sich auf berufstätige Studierende. Auffällig ist bei einer Reihe von Teilzeitprogrammen der hohe Workload, der mit 120 Credits, der eines zweijährigen Vollzeitstudiums entspricht. Ob diese Studiengänge berufsbegleitend in zwei Jahren studierbar sind, muss hinterfragt werden.
Auffällig in Deutschland ist der Anteil der Programme mit einer Spezialisierung oder einem Fokus in eine bestimmte Branche. Er liegt wesentlich höher als im Ausland.
In den Zulassungsverfahren wird in der Regel ein erster Hochschulabschluss verlangt, drei Anbieter verlangen keinen oder haben Ausnahmereglungen. Weitere Voraussetzung für die Aufnahme eines Studiums sind noch der GMAT oder der TOEFL oder auch das erfolgreiche Durchlaufen eines internen Zulassungsverfahrens, interne Sprachtests, Interviews und Referenzen.
In Deutschland erlauben einzelne Bundesländer mittlerweile, dass MBA-Studiengänge auch ohne ersten Hochschulabschluss besucht werden dürfen. So stellt Rheinland-Pfalz fest: „Personen, die über keinen ersten Hochschulabschluss verfügen, können zu weiterbildenden Studiengängen, die mit einem Hochschulabschluss abschließen, unter bestimmten Voraussetzungen zugelassen werden.“ Andere Bundesländer dagegen, wie Bayern, haben verfügt: „dass der Zugang zu weiterbildenden Masterstudiengängen zwingend nach einem qualifizierten Hochschulabschluss … eine qualifizierte berufspraktische Erfahrung von in der Regel nicht unter einem Jahr voraussetzt.“
Kosten
Mittlerweile gibt es in Deutschland fast keine kostenfreien MBA-Programme mehr. Gaben 2005 noch 19 Anbieter an, dass das Programm für die Studierenden kostenfrei ist bzw. die Kosten unter 1.000 Euro betragen sind es heute nur noch zwei bis drei Programme. Die Programmkosten haben eine immense Bandbreite von Studiengebühren bis zu rund 65.000 Euro. Der Mittelwert liegt bei rund 18.000 € und damit etwas höher als in den Vorjahren. Vermutlich liegt dies an der gestiegenen Zahl der Anbieter.
Verteilung der Kosten für MBA-Programme in Deutschland (in EUR):

Studienplätze und Absolventenzahlen
Insgesamt werden in den im MBA-Guide 2013 ausgewerteten Programmen über 6.000 Studienplätze angeboten wie viele davon wirklich belegt sind, ist nur zu vermuten, da die Hochschulen kaum Daten dazu veröffentlichen. Im Ausland sind ebenfalls nur geschätzte Zahlen möglich. So ist nach den Zahlen des IEE alleine in den USA seit Jahren mit rund 750 bis 900 deutschen MBA-Studierenden an US-Business Schools zu rechnen. In Großbritannien sind es rund 250 Studierende, nach Herausrechnung der deutschen Fernstudienteilnehmer. In Frankreich wird mit ungefähr 50 deutschen MBA-Studierenden gerechnet. In Österreich und der Schweiz sind es zusammen circa 200.
Insgesamt lässt sich nach Auswertung und Hochrechnung der verschiedenen nationalen und internationalen Quellen vermuten, dass in den letzten 25 Jahren über 50.000 Deutsche weltweit einen MBA-Abschluss erhalten haben. Im Vergleich zu den fast 40.000 Management-/BWL-Absolventen jährlich, eine verschwindend geringe Zahl.
Hochschulfakten Wirtschaftswissenschaften - BWL (Stand November 2012)
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Studenten Wirtschaftswissenschaften WS 2010/11 gesamt (Vorjahr) davon BWL Studenten Internationale BWL/Management WIWI Studenten |
ca. 340.000 (323.000)
ca. 184.000 (175.000) ca. 32.500 (30.000) ca. 73.000 (68.000) |
Statistisches Bundesamt 2011 |
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Absolventen Wirtschaftswissenschaften 2010 gesamt (Promotion, BWL, VWL, WIWI, WI-Ing., WI-Recht, WI-Päd., Bachelor, Master …) davon BWL Internationale BWL/Management |
ca. 60.000 (55.000)
ca. 34.000 (32.500) ca. 6.400 (5.400) |
Statistisches Bundesamt 2011 |
(Quelle: Educationconsult)
Vertiefende Inhalte in der Buchausgabe
- Der Markt in Deutschland
- Der MBA und die Großunternehmen
- Reputation deutscher Hochschulen

