Der MBA-Markt in Österreich und der Schweiz
MBA-Programme in Österreich

Die Nachfrage nach MBA-Plätzen ist auch in Österreich aufgrund der Krise stark gewachsen. An der WU Executive Academy etwa wurde im vierten Quartal im Vergleich zu den beiden Vorjahren ein Viertel mehr Anfragen und Beratungsgespräche verzeichnet. Die Anzahl der Bewerber auf ausgeschriebene Stipendien hat sich sogar um 50 Prozent erhöht. Auch in der Sales Manager Akademie kann man verstärkte Nachfrage nach MBA-Lehrgängen feststellen, so der Wiener „Standard“. Außerdem werde häufiger der Wunsch nach darüber hinausgehender Vertiefung geäußert.
Zwangsläufige ist auch die Zahl der MBA-Absolventen stark gestiegen. Je nach Quelle schwanken die Zahlen erheblich. Laut Wissenschaftsministerium (es werden lediglich die Absolventen von Uni-Lehrgängen mit MBA-Abschluss erfasst) waren es 2005/2006 nur 416 MBA-Absolventen. Statistik Austria erfasste weitere 758 MBA-Absolventen von Privat-Unis und Lehrgängen universitären Charakters, so dass man insgesamt offiziell auf 1.174 MBA-Absolventen in Österreich kommt. Die Wirtschaftskammer spricht 2007 von insgesamt mehr als 3.000 Absolventen. Nach Auswertung der Daten im MBA-Guide sind es mittlerweile rund 4.000 Absolventen. Unberücksichtigt in den Statistiken sind diejenigen Österreicher, die im Ausland einen MBA absolvieren. Immerhin wurde 2008 insgesamt 126 Mal ein GMAT abgelegt, der oft für ein Studium an ausländischen MBA-Schmieden benötigt wird.
Größter Anbieter sind die staatlichen Universitäten: Elf Unis bieten 54 verschiedene MBA-Programme an. Führend dabei sind die Donau-Universität Krems (16 Programme) und die Wirtschaftsuniversität (WU) Wien (15 Programme). An drei Privat-Unis kann die Management-Ausbildung ebenso absolviert werden wie an 17 Institutionen, die 24 Lehrgänge universitären Charakters mit MBA-Abschluss anbieten. Das Spektrum reicht dabei von der Body and Health Academy über die ABC-Abwehrschule des Verteidigungsministeriums bis zu privaten, nicht akkreditierten Bildungseinrichtungen. Besonders Stark vertreten sind in Österreich die Professional MBAs, die auf eine Branche fokussieren. Seit 2008 bietet die MODUL University Vienna neben Tourismus-Studiengängen zusätzlich einen bereits akkreditierten „MBA in Public Governance and Management“ an. Ein weiterer „MBA in New Media Technology“ befindet sich gerade in der Vorbereitungsphase. Insgesamt investiert die Wirtschaftskammer Wien sechs Millionen Euro auf fünf Jahre, wovon eine Million Euro seitens der Stadt Wien für die Entwicklung der Hochschule zur Verfügung gestellt wurde. Darüber hinaus kooperiert erstmals in Österreich eine öffentliche mit einer Privatuniversität: Der Professional MBA wurde in Zusammenarbeit mit der Executive Academy der Wirtschaftsuniversität Wien entwickelt. Die PEF in Wien bietet einen „Master of Business Administration Intra-und Entrepreneurship“ und die Webster University einen MBA mit drei Vertiefungsrichtungen an.
Die meisten MBA-Angebote in Österreich konzentrieren sich auf den Großraum Wien. Aber auch in anderen Landesteilen gibt es gut zu erreichende MBA-Programme. In Innsbruck hat sich das MCI Management Center Innsbruck mit einem „General Management MBA“ etabliert. Die Salzburg Management GmbH – University of Salzburg Business School folgt dem Modell der Public-Private-Partnership und wird unter anderem vom Land Salzburg sowie der Universität Salzburg finanziert.
Die Programmkosten liegen im Gegensatz zu Deutschland im Schnitt bei 22.000 Euro. Die Anzahl der Studienplätze liegt derzeit bei über 600. Das Durchschnittsalter der Studierenden beträgt 33,8 Jahre (Vollzeit: ca. 31 Jahre). Die durchschnittliche Berufserfahrung liegt bei ca. neun Jahren (Vollzeit: sechs Jahre). Der Anteil der Frauen beträgt 32 Prozent.
MBA-Programme in der Schweiz

Der MBA-Markt in der Schweiz hat trotz Krise weiterhin regen Zulauf. Er ist nach wie vor sehr heterogen und die Anbieter, wie Fachhochschulen, Universitäten und private Institute mit ganz unterschiedlichem Renommee, versuchen alle seine Nischen zu besetzen. Die aus den USA importierte Idee des MBA wurde in der Schweiz schon wesentlich früher umgesetzt als im restlichen Europa. Bereits Mitte der 40er-Jahre wurden zwei renommierte Weiterbildungseinrichtungen gegründet, die Ende der 80er-Jahre zur IMD International zusammengelegt wurden. Zum MBA-Angebot der verschiedenen Schweizer Bildungseinrichtungen gehören Studiengänge für Vollzeit-, Teilzeit- und Fernstudium.
Die Programmkosten liegen in der Schweiz im Gegensatz zu Deutschland und Österreich noch etwas höher und betragen im Schnitt 23.000 Euro. Die Anzahl der verfügbaren Studienplätze liegt bei fast 1.000. Das Durchschnittsalter der Studierenden beträgt 33,5 Jahre (Vollzeit: 31 Jahre), die durchschnittliche Berufserfahrung liegt bei über 8,5 Jahre (Vollzeit: sechs Jahre). Der Anteil der Frauen in den Programmen beträgt rund 25 Prozent. Die Gesamtanzahl der Absolventen wird von den ausgewerteten Anbietern mit ungefähr 4.500 angegeben.
Kaum ein befragtes Unternehmen in der Schweiz verneint die Akzeptanz des Master of Business Administration (MBA) oder Executive Master of Business Administration (EMBA) in seinem Betrieb. International ist das MBA-Studium in der Schweiz sehr anerkannt und öffnet den Absolventen viele Türen zu einer internationalen Karriere. Trotzdem stellen viele Firmen eine solche Aus- und Weiterbildung nicht in den Vordergrund. Ein Abschluss an einer wenig bekannten Schule hat in der Praxis bei den großen Banken und Unternehmen weniger Gewicht, als der einer Edelschmiede. „Die Praxis zeigt, dass ein MBA in der Beurteilung von Führungskräften keine entscheidende Rolle spielen muss. Nach wie vor am wichtigsten für die Einstellung einer Kaderperson ist ein relevanter praktischer Leistungsausweis. Der Erwerb einer Zusatzqualifikation an einer Eliteschule kann den Einstellungsentscheid aber positiv beeinflussen“ so die zusammenfassende Feststellung der Neuen Züricher Zeitung (NZZ) zum Thema MBA in der Schweiz.
Vertiefende Inhalte in der Buchausgabe
- Der MBA-Markt in Österreich
- Der MBA-Markt Schweiz
- Titelführung in Österreich und der Schweiz

