Was bringt ein MBA?
Der Master of Business Administration gilt als das ultimative Karrieresprungbrett. Doch hält die Wirklichkeit, was die Theorie verspricht? Lohnt sich ein MBA? Wer sich für ein MBA-Studium entscheidet, sollte sich im Klaren über dessen Vor- und Nachteile sein, vor allem im Hinblick darauf, ob ein solches Studium wirklich helfen kann, die Karriereziele zu erreichen. Der MBA verhilft nicht automatisch zum Traumjob nach dem Studium.
Der Wert eines MBA lässt sich über drei große Bereiche definieren:
- Karriere
- Finanzen
- Erfahrung und Netzwerk
1. Karriere
Grundsätzlich gilt: Ein MBA-Abschluss ist keine Garantie für einen beruflichen Aufstieg. Die persönliche Entwicklung, von der die meisten MBA-Absolventen berichten, kann jedoch viel mehr wert sein
als ein höherer Gehaltscheck. Grade in großen Unternehmen wird die strategische Personalplanung von vielen Faktoren beeinflusst, und Seiteneinsteiger, die einen MBA machen, passen nicht in das Langfristraster. In diesem Fall wird also nichts anderes möglich sein, als sich auf andere Positionen im Unternehmen zu bewerben oder das Unternehmen zu wechseln.
Festzuhalten bleibt: Die besten Jobchancen haben MBA-Absolventen in der Consulting-Branche und bei Investmentbanken, da beide Branchen stark international ausgerichtet sind und dort bekannt ist, was sich hinter einem MBA-Abschluss verbirgt. Nachdem mittlerweile viele Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gute MBA-Programme auflegen, wächst aber das Bewusstsein bei den Unternehmen, dass ein MBA mehr ist als ein Wirtschaftsaufbaustudium.
Wo kommen MBA-Absolventen unter:
| Branche, nach Programmform | Full-Time | Part-Time | Executive |
| Industry Group | (n = 1,962) | (n = 725) | (n = 240) |
| Consulting | 16% | 10% | 8% |
| Energy/Utilities | 3% | 4% | 7% |
| Finance/Accounting | 24% | 28% | 14% |
| Healthcare | 8% | 10% | 14% |
| Technology | 13% | 17% | 18% |
| Manufacturing | 8% | 11% | 14% |
| Nonprofit/Government | 7% | 9% | 8% |
| Products/Services | 21% | 20% | 19% |
| Total | 100% | 100% | 100% |
Quelle: GMAC 2008
| Branche, nach Programmform | 27 and Younger | 28 to 34 | 35 and Older |
| Industry Group | (n = 191) | (n = 1,658) | (n = 1,111) |
| Consulting | 8% | 17% | 11% |
| Energy/Utilities | 5% | 4% | 5% |
| Finance/Accounting | 27% | 23% | 19% |
| Healthcare | 7% | 8% | 10% |
| Technology | 12% | 13% | 17% |
| Manufacturing | 6% | 8% | 12% |
| Nonprofit/Government | 8% | 7% | 8% |
| Products/Services | 27% | 21% | 19% |
| Total | 100% | 100% | 100% |
Quelle: GMAC 2008
2. Finanzen
Grundsätzlich gilt: Gehaltslisten, die von einigen MBA-Schulen und von Marketinginstitutionen herausgegeben werden, sind kaum repräsentativ und daher mit Vorsicht zu genießen.
Verzichten kann man auf sie jedoch nicht. Die FAZ hält schon 2005 in einem MBA-Rating fest: „Ein MBA kann sich zwar durchaus auch noch im fortgeschrittenen Alter lohnen, doch haben Einsteiger von 29 bis 35 Jahren den größten Karriereschub zu erwarten. Immerhin rücken sie im Mittel um mindestens eine Funktionsebene auf und steigern ihr jeweiliges Einkommen gegenüber der Zeit vor dem MBA um 50 Prozent.“
Auch international ist festzuhalten: Gehälter für MBA-Absolventen sind nach einer Flaute seit 2003 bis 2005 wieder stetig angestiegen. So verdienen nach dem letzten „International Recruiter Survey“ MBA-Absolventen bei einem Arbeitgeber mit Hauptsitz in Deutschland im Durchschnitt 89.141 US-Dollar (ca. 60.000 Euro). Das ist zwar deutlich weniger als die 108.372 Dollar, die man in Großbritannien holen kann, aber da fließen die astronomischen Gehälter im Londoner Investment-Banking und der starke Pfund-Kurs mit ein. Harvard Absolventen erhalten, wenn sie nach Deutschland zurückkehren rund 100.000 Dollar als Einstiegsgehalt, also rund 70.000 Euro, so die Daten der Business School. Ähnlich sind die Daten bei Wharton, einer weiteren US-Top-Hochschule.
An solche Einstiegsgehälter kommen die Absolventen der deutschen MBA-Schulen auch schon fast heran. So kommen die MBA-Abgänger der Handelshochschule Leipzig (HHL) auf ein Durchschnittsgehalt von 64.500 Euro. In ähnlicher Größenordnung bewegt sich die Gisma in Hannover, deren Absolventen – nach Hochschulangaben – im Fünfjahresmittel auf 61.000 Euro kommen. Die Mannheim Business School gibt für die Absolventen ihres „European MBA“ ein Durchschnittsgehalt von 67.000 Euro an. Auch die FHW in Berlin kann für ihre Absolventen solche Werte vermelden. Die Zahlen der deutschen MBA-Anbieter – ob FH oder UNI – sind trotz aller Unkenrufe und Negativgerede gar nicht so schlecht.
3. Erfahrung und Netzwerk
Ein MBA verbessert die Führungsqualitäten der High-Potentials von heute und Unternehmensleiter von morgen und übermorgen – das ist weit mehr als das Trainieren von Management-Tools.
Die Mitstudierenden sind bei einem MBA-Programm ein wichtiger Faktor: In der praxisbezogenen Ausbildung lernt einer vom anderen. Je internationaler und berufserfahrener die Studenten sind, desto größer der Lerneffekt! Auch wichtig: Kommilitonen aus anderen Branchen und mit anderer Ausbildung bringen eine ganz andere Sichtweise und Herangehensweise in das Programm. Das schult die interpersonale Kompetenz. Nicht nur, dass viel in Teams gearbeitet wird - Ihre Mitstudierenden bilden gemeinsam mit Ihnen das Netzwerk und formen die Außenmeinung über den jeweiligen Anbieter. Da die Absolventen eines Jahrgangs oft weltweit Karriere machen, können so wertvolle Netzwerke entstehen. Die Jahrgänge entwickeln sich häufig zu einem Bund fürs Leben. Wer sich an einer MBA-Schule bewerben will, sollte deshalb auch die Qualität und Zusammensetzung der Studenten erfragen und sich vor Ort mit potenziellen Kommilitonen unterhalten. Gute Kontakte sorgen schon beim Berufseinstieg für den Blitzstart in die zukünftige Karriere.
Über die Hälfte aller Hochschul-Absolventen in Deutschland ersparen sich die mühselige Berwerbungs-Prozedur und finden ihre erste Stelle durch persönliche Kontakte, so eine Umfrage des "Hochschul Informationssystems". In Deutschland, wo die Alumni-Tradition anders als in den USA, Frankreich oder Großbritannien erst seit den achtziger Jahren begründet wurde, blickt man immer noch etwas neidisch auf die Power der dortigen Ehemaligenvereine. Viele deutsche Hochschulen haben ihre Anstrengungen für die Clubs der Ex-Studenten verstärkt, auch weil sie über Fundraisingprojekte spendable Geldgeber für die Hochschule finden wollen.
Wie wichtig gerade diese Faktoren sein können, formuliert ein MBA-Absolvent in seinem ganz persönlichen Fazit:
"Ob der MBA-Titel tatsächlich die Kosten von mehreren Zehntausend Euro wert ist, ist hinsichtlich des erworbenen Fach- und Methodenwissens zu bezweifeln. Andererseits kosten viele anspruchsvolle Seminare, Workshops und Kongresse ebenfalls stolze Summen. Für mich waren die eineinhalb Jahre aber ein bedeutender Entwicklungsschritt hinsichtlich meiner Persönlichkeit. Meine Ziele, Wertvorstellungen erfuhren neue Ausrichtungen und wichtige Weichenstellungen für meine Zukunft wurden gestellt. Meine Lebensphilosophie konkretisierte sich und letztendlich gab mir dieses Studium den entscheidenden Impuls, mich selbstständig zu machen."
Quelle: worklife-Blog


